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Eine wie keine! Grell. Heiss. Ätzend. Riesig. Wild. Brav. Schön. Kalt. Dreckig. Wirr. Bunt. Stark. Und so weiter und so fort. Nicht zu vergessen: Irre und sexy! Was ich hier mache? Irgendein seltsames „Wie – Fasse – Ich – Berlin – In – Worte – Und – Zwar – In – Adjektive – Mit – Höchstens – Zwei – Silben“ – Spiel. Warum? Keine Ahnung. Ich bin nicht mehr ganz bei Sinnen. Diese wahnsinns Stadt hat mich bekifft, besoffen und geil zugleich gemacht. Ich sitze jetzt schon zwei Stunden an diesem ersten Abschnitt und komme kein Stück weiter. Berlin ist… unbeschreiblich. Doch der Reihe nach.

Wir waren in Urlaub. Mit „wir“ meine ich Julia, mich und meinen neuen alten Peugeot. Peuwas? Nun: Der mit Abstand tiefste automobile Tiefpunkt bisher, ein fahrendes Baguette mit der Nummer 306. Das sich von A nach B quietscht, ohne dabei zu explodieren. Was ja schon mal eine tolle Sache ist und was ich von meinem achsocoolen Gasbetriebenen Jeep (siehe irgendwo unten) nicht behaupten konnte. Lange Rede kurzer Sinn: Der Jeep fackelt bald bei jemand anderem ab und wir waren diese Woche in Urlaub. Drei Tage in Berlin und drei Tage in Hamburg.

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Die Hansestadt war ganz nett: Toller Hafen und den Rest hab ich vergessen. Aber Berlin! BERLIN! Bundeshauptstadt. Regierungssitz. Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern und unzähligen Straßen, Häusern, Plätzen und Schätzen. Wir waren im Osten, im Westen und dazwischen. Wir waren in Hinterhöfen, auf Boulevards, in der U-Bahn (die auch oben fährt, wohingegen die S-Bahn beides macht, DAS versteht’ mal einer!) und auf der Spree. Wir ließen uns treiben und entdeckten jede Sekunde was anderes, einmaliges, faszinierendes. Und wir verliebten uns ein zweites mal. In diese tolle Stadt, unsere Stadt, DIE Stadt der kommenden Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte.

Deswegen auch der Entschluss: Die eine oder keine! Vergiss alle anderen Städte, vergiss die laufenden Bewerbungen in Hintertupfing, Frankfurt oder Köln – Wir fahren nach Berlin! Und bleiben dort. Ende September will ich meine Wohnung kündigen und bis Dezember umgezogen sein. Was ich dann machen werde? Nun ja. Wie wär’s denn mit ‘nem netten Start-Up? Was ganz neues?! Vielleicht ‘n Schuppen für Sushidöner, ein Verleih für Bauchtänzer oder eine Bahnfahrradwaschstraße? Mal sehen. Die Zukunft wird’s bringen. Aber nicht hier im Saarland, der „französischen DDR“ (Klasse Spruch, Michele!), sondern im dicken B. Das hat doch was, oder?!

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Zwei Schnappschüsse aus Hamburg. Sind die Entchen nicht süß? Wollten unbedingt an die Brotkrumen ran und ham’ mir dabei drei Mal in die Finger gebissen (Seit wann können Enten so hoch springen?). Hat aber gar nicht weh getan… Julia ist natürlich auch süß, obwohl mir diese Brille ein wenig Angst macht.

„…Und dafür liebe ich dich!“ sagte meinte Freundin vor kurzem zu mir. Ein interessanter Ansatz, oder nicht?! Wir saßen gerade in meinem BMW und ich ließ daraufhin die Hälfte von ‘nem Whopper auf meine neuen Dolce Jeans fallen.

Ha! So war’s natürlich nicht: Wir bummelten in ‘ner S-Bahn rum, der BMW stand irgendwo an der Ampel und ich hatte kurze NoName Hosen an. Wie der Whopper jetzt da reinpasst?! Na ja… sowas kann man(n) doch immer essen, oder?! Frauen haben ihre Salate und wir die Whopper. Aber im Burger King gibts angeblich nur ganz, ganz furchtbare Salate und deswegen ist das dort eine No-Go-Area mit Ausrufezeichen. Ein weiterer Grund: Whopper sind ganz, ganz furchtbar ungesund und zum Frühstück gibt’s schon länger nur noch normale Stullen mit Käse. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und sehe jedes Burger King als neue Chance. So wie in besagter S-Bahn mit der Filiale 19 731 auf der anderen Straßenseite. „Schatz? Krieg ich ‘nen Whopper?“ Die Antwort: Nein. „Und den BMW da vorne?“ Auch nicht.

Ich bin also herrlich kommerziell. Und werde dafür geliebt. „Wenigstens etwas!“ sagen jetzt sicher einige. Ja! Ich meine aber: Was ist mit meinem tollen Hintern? Ist das etwa kein Grund? Also hab ich mal vorsichtig nachgefragt. Und: Es ist ein Grund. „Einer von vielen!“ Das beruhigt mich irgendwie. Die Story von der Jagd nach dem Juwel vom Nil, äh, meinem Paar 46er Converse Hi Sweatshirt ist jetzt aber ein Thema für nächstes mal oder so. Verflucht: Sind das coole Schuhe! Oder?

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Gestern Nachmittag auf der Documenta… Ich stehe in einem seltsamen Bierzelt, Pardon, Bauhof, Pardon, Pavillon und sehe mir ein paar Kartonagen an. Lausche einer Führerin und merke wieder mal: Kunst ist schwierig in Worte zu fassen. Vor allem die der Documenta Nummer IIIIIIIIIIII. Unser weiblicher Guard versucht es trotzdem und meint: „Also! *hihi* Diese Arbeit hier: Das muss man sagen! *hihi* Ist konzeptionell sehr beeindruckend! Es gibt zwei Vorschläge! *hihi* Zur Interpretation! So wie eine Wunde ist der erste! So wie das Haus zusammen zu nähen, der zweite! *hihi* Das steht auch für Gut und Böse! Und ist natürlich nicht so konkret.“ Hihi. Natürlich nicht. Hat sie das eben auf die Schnelle und dazu noch falsch aus dem Chinesischen übersetzt oder was? Zur Ergänzung folgt: „Die Künstlerin ist aus Afrika.“ Aha. Ein Mann neben mir raunt seiner Frau zu: „Also bauen die dort auch mal Mist. Beruhigend zu wissen.“ Die Führerin hat irgendwas davon gehört und fragt: “Bitte, was meinen Sie?“ Der Mann meint daraufhin nichts. Ist vielleicht auch besser so.

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Überhaupt wirft die Documenta viele Fragen auf: „Ist die Menschheit imstande, über alle Differenzen hinweg, einen gemeinsamen Horizont zu erkennen? Ist die Kunst das Medium dieser Erkenntnis? Was ist zu tun, was haben wir zu lernen, um der Globalisierung seelisch und intellektuell gerecht zu werden? Ist das eine Frage ästhetischer Bildung? Was macht das Leben eigentlich aus, wenn man all das abzieht, was nicht wesentlich zum Leben gehört? Hilft uns die Kunst auf die Sprünge, um zum Wesentlichen zu gelangen?“ Nun: Ich habe mir ein paar Arbeiten angesehen, bin an deren Analyse verzweifelt und möchte nun mit einer Antwort auf all diese Fragen provozieren, die lautet: “Nein.“

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Versteht mich nicht falsch: Ich finde Kunst echt toll! Sie ist Ausdruck höchster Kreativität und sie verändert die Welt. Aber die Arbeiten auf der Documenta habe ich im Großen und Ganzen nicht so recht verstanden. Dabei war ich 5 Jahre lang Student an einer Kunsthochschule. Und da kommt man zwangsläufig mit dem Zeug in Kontakt, auch wenn man eigentlich nur Design studieren möchte… Aber das ist auch gut so. Die Kunst der Documenta scheint jenseits aller Grenzen zu liegen – also auch fern von Gut und Böse oder von was auch immer. Ich fand nur selten realistische Bezugspunkte oder sinnvolle Möglichkeiten zur Interpretation. Böse Zungen mögen behaupten: „Da hätte eine Bande Dreijähriger sicherlich was besseres hinbekommen.“ Nun: Darüber könnte man reden.

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Roger M. Buergel, der Leiter der Documenta, meinte vor kurzem auf einer Pressekonferenz: „Ich wünsche mir Ärger. Dass sie tatsächlich ihr Publikum spaltet. Und zwar nicht in Gute und Böse, in militante Kleinbürger und souveräne Kosmopoliten, sondern dass die Spaltung durch jeden Einzelnen geht.“ Nun: Ich bin gespaltener Ansicht, ob es unbedingt 18 Euro Eintritt sein müssen. Ansonsten will ich keinen Ärger machen und sage deswegen: „Also! *hihi* Diese Arbeiten hier: Da muss man sagen! *hihi* Sind konzeptionell sehr beeindruckend!“

Noch ein Rätsel am Rande: Welche der sechs beigefügten Aufnahmen wurde nicht auf der Documenta gemacht? Die Auflösung gibts in Kürze. Getreu dem Trend der internationalen Kunstszene sind manche Bilder in S/W, was sie natürlich noch viel authentischer und gegebenenfalls künstlerisch wertvoller macht. Genau wie die Aufnahme unten: Sie zeigt mich vollkommen verwirrt im tiefschwarzen Nichts allgegenwärtiger Kunstdarstellung. Der Titel des Bildes: „Mohammed Knäckebrot in Düsenland / Art IIIII.3″. Oder so. Kunst ist echt toll.

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Primäres Ziel: Die Beschaffung eines Behälters mit der Aufschrift „Ayran“. Sekundäres Ziel: Meine Nerven behalten. Operationszeitpunkt: Freitagabend um 19:15 Uhr. Ausführungslevel: Schwierig bis unmöglich. So in etwa würde ich diesen Auftrag einschätzen. Wenn man mich fragen würde. Was frau nicht getan hat. Also laufe ich nun schon seit über 20 Minuten durch den Laden – dem Vorhof zur Hölle des Kommerz – und suche Ayran für meine Freundin. „Was willst du denn mit dem Typen? Liebst du mich nicht mehr?“ war natürlich meine erste Frage, als wir vorhin telefonierten. Ihre Antwort: Ayran ist was zu trinken. Und sie hätte solche Lust darauf! Ob ich nicht schnell auf dem Weg zu ihr beim Supermarkt halten könne?! Und by the way: Klopapier ist alle. Natürlich sagte ich nicht nein. Denn: Wenn Schnuffi brav ist bekommt Schnuffi auch immer Leckerchen zur Belohnung! Und ich mag Sex. Also machte ich mich auf den Weg.

Ayran kaufen wird ja nicht so schwer sein. Dachte ich. Diese tollkühne Vermutung erwies sich natürlich als falsch. Mittlerweile irre ich seit 25 Minuten in diesem Supermarkt herum und habe die Orientierung vollkommen verloren. Setz mich irgendwo in Bombay aus und ich finde problemlos nach Hause! Aber in `nem blöden Supermärktelchen ein Joghurtgetränk aufzutreiben – unmöglich. Keine Spur davon. Dafür Sachen en masse, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Okay – ich gehe nicht so oft einkaufen. Irgendwie reicht das Sortiment des nächsten Tanke meistens aus. An den Spritgeruch der Fertigpizza gewöhnt man sich recht schnell und wie sagte doch diese putzige fette Ratte letztens im Kino: „Wenn man den Würgreflex erst im Griff hat… dann kann man fast alles essen.“

Im Supermarkt gibt’s alles frisch.

Supermärkte sind seltsam. Ich zähle über acht verschiedene Sorten Rasierklingen. Und das sind nur die von Gilette. Dabei reicht doch schon eine aus, um sich zu entstellen. Bin ich jetzt altmodisch, weil ich mich mit `nem Elektrorasierer bearbeite? Sogar „Platin“ veredelte Klingen stehen da im Regal. Und das gibt mir wirklich zu denken: Früher benutzten sie dieses Zeug doch für die Raumfahrt, oder?! Aber mittlerweile hat ja sogar ein Küchenmixer aus dem Aldi mehr Rechenpower als das erste Spaceshuttle. Nun: egal. Wo steht der verdammte Ayran?! Plötzlich erschallt eine Stimme – Gott? – aus dem Nichts und preist „Duftreis für nur 1 Euro 98“ an. Duftreis? Bisher kannte ich nur: Reis und dieses miefige Spray für die Toilette. Wie kann man denn so was reinen Gewissens zu einem Produkt verbinden?! Marktforscher haben einen Sprung in der Schüssel.

Überhaupt frage ich mich, welches Genie diesen Supermarkt eingerichtet hat. Das ist doch eine vollkommen sinnfreie Aufteilung! Hier stehen sich in einem Gang gegenüber: „Always Ultra dünn“ und „Hipp Baby Brei“. In unzähligen Geschmacksrichtungen (ich meine jetzt den Baby Brei): Pfirsich/Aprikose, Frucht/Getreide und sogar Apfel/Quark. Als ob so ein Baby das überhaupt schmecken würde. Ich gehe um die Ecke in den nächsten Gang und sehe Fußdeospray direkt neben elf verschiedenen Sorten Knäckebrot. Also wirklich. Und weiter: Von Ayran keine Spur. Bin ich auf der Suche nach dem heiligen Gral oder was?! Plötzlich huscht ein weißer Kittel an mir vorbei und ich nutze geistesgegenwärtig meine Chance: „Entschuldigung! Wo habt ihr denn Ayran?“ Die junge Azubine schaut mich verwirrt an. Ich räuspere mich: „Ist so’n Zeug zum Trinken. Mit Joghurt.“ Das versteht sie. Ich werde zu einem Kühlregal geführt und höre dann ein bedauerndes: „Ausverkauft.“ Gibt’s denn so was? Soll meine ganze Odyssee umsonst gewesen sein? Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Irgendwas muss ich meiner Freundin mitbringen! Kurz vor der Kasse entdecke ich ein Glas mit asiatischen „Bambus-Schößlingen in Streifen“. Keine Ahnung, was das ist. Aber es klingt ganz nett und welche Frau mag keine Blumen?!

Sensation: Die Mini Babybels gibt es auch als „Edition Limitée Méditerranée“ (Zungenbrecher) mit „Saveur Tomate Basilic“, was ich einfach mal frech als Geschmacksrichtung „Tomate Schrägstrich Basilikum“ übersetze. Lecker! Ich war so begeistert, dass ich gleich das ganze Netz leergefuttert habe. Doch meine ersten sechs „Méditerranée“ Babybels werden wohl bis auf weiteres meine letzten sechs gewesen sein: Denn die gibt’s nur „drüben“ in Frankreich. Und da war ich gestern einkaufen. Überhaupt hat’s dort ‘ne Menge tolle Sachen, die’s hier nicht gibt. Lassen wir jetzt mal Sarkozy, Cattenom und die ganzen Asylanten außen vor.

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Dann bleiben das tolle Essen, gute alte Getränkedosen aus Metall, Paris und französisch. Okay: Letzteres gibt’s hier auch, ab und zu mal. Je nach Lust und Laune. Warscheinlich werden jetzt viele protestieren und sagen: Babybel Light schmecken doch super und der Ruhrpott ist ganz reizend! Nun ja: Über Geschmack lässt sich bekanntlich (nicht) streiten. Aber ich hätte gerne immer und überall diese furchtbar leckeren, mediterranen Babybels und (wenn wir schon dabei sind) meine Getränkedosen wieder. Wer sagt denn überhaupt, dass wir hier „Light“ leben wollen, mit Flaschenpfand und zero Kalorien überall?! Da könnte man sich doch vom französischen „Savoir Vivre“ und „Laissez Faire“ noch das eine oder andere Stück Baguette abschneiden beziehungsweise brechen. Oder?