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Endlich ist es soweit: Ich bin quasi „Alone in the dark“ (Um diesem Blog-Eintrag noch ein bisschen mehr Grusel zu verpassen, finden sich ein paar schlechte Anspielungen bzw. Zitate aus verschiedenen Horrorfilmen wieder)! Auto Nummer 666 ist durchs Bild gerauscht, das letzte Kind ist verschwunden, die Zeit scheint still zu stehen und ich wittere eine Gelegenheit. Jetzt oder nie, denke ich, blicke schnell noch mal durch den Sucher und löse dann dann die Kamera aus.

Klick. 15 Sekunden lang darf jetzt nix passieren. So lange saugt meine Kamera nämlich das Motiv in sich hinein. 14 Sekunden „Alte Post“ in Pirmasens, um Schlag Mitternacht. 13 Sekunden. Die Zeit läuft und noch immer keine Bewegung vor mir. 12 Sekunden. Ich verspüre ein leichtes Hungergefühl und nehme mir vor, nach dem Shooting noch mal eben meiner Freundin in den Hals zu beißen. 11 Sekunden. Ich höre ein entferntes Ächzen und kurz leise Musik. Was ist das? 10 Sekunden. War wohl falscher Alarm. Mein Herz schlägt trotzdem schneller. 9 Sekunden. Vielleicht doch lieber ein Döner anstelle meiner Freundin? 8 Sekunden. Ich beginne zu schwitzen. 7 Sekunden. Eine Stechmücke fliegt vorbei. 6 Sekunden. Ich verscheuche sie. 5 Sekunden. Die Stechmücke kommt wieder. Ein Omen? Und tatsächlich: Sie ist nicht alleine. Knappe 50 Meter vor mir schiebt sich eine Gestalt um die Ecke und kommt auf mich zu. Das war’s. Mein Foto ist im Eimer. Schon wieder. Irgendwas ist ja immer.

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Besagte Gestalt läuft natürlich nicht auf dem kürzesten Weg durchs Bild und verschwindet dann wieder, oh nein! Sie scheint sich einen Spaß daraus zu machen, möglichst verwirrend zu gehen. Klick. Also nähert sie sich im Zickzackmuster, und das ist selbst für mich mal was neues. Die Fährte des Grauens Teil II? Nach gefühlten 23 Stunden schält sich die Gestalt aus dem Schatten und torkelt auf mich zu. Sieh an: Es ist eine junge Frau. Vielleicht 13 oder 14 Jahre alt. Und trotzdem schon besoffen. Das gibt’s auch nur in Pirmasens, oder?! Ein echter Fluch. „Haste mal ‘ne Zigarette?“ fragt sie. Natürlich nicht. Und dann: „Haste mal Feuer?“ Beiläufige Frage am Rande: Wozu Feuer, wenn’s keine Kippe gibt? Vielleicht, um dem Elend ein Ende zu setzen und sich selbst anzuzünden?! Aber leider habe ich auch kein Feuer und die Kleine wankt weiter. Wie ein Zombie. Natürlich kommt noch ein blöder Kommentar (ist ja immer so), aber auch der ist neu: „Wenn’s dunkel ist, sieht man nicht viel.“

„Absolut!“ sage ich und wende mich wieder meiner Kamera zu. Wenn die Leute einen nur mal in Ruhe Fotografieren lassen würden! Aber nein: Immer gibt’s nen Spruch, egal wann und egal wo. Ich kann nachts um drei auf einer Autobahnbrücke Fotos machen, und selbst da kommt ein Kommentar (Huuuup!). Die häufigsten Reaktionen hab ich gesammelt: „Was machen Sie denn da?“ (Kühe melken, was sonst?!), „Das hier ist eine Einbahnstraße!“ (Weiß ich!) sowie „Das geht so nicht!“ (Und ob!). Aber das ist wohl das schwere Los von uns Fotografen. Immer noch besser als „…aber bitte mit Mayo und zum Mitnehmen“ oder sowas. Ob ich mein Bild in dieser Nacht noch geschafft habe?! Ja. Aber danach wurden Juli und ich bei ‘ner Runde im Auto von irgendetwas (irgend jemandem?) mit ‘ner Säge angefallen.

„Im Oktober 1994 verschwanden drei Filmstudenten in den Wäldern in der Nähe von Burkittsville, Maryland, während sie eine Dokumentation drehten. Hier ist, was man später fand.“ – Nun ja. Vergesst die olle Blair Witch, das folgende Film-Material ist viel grausamer…