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Eine gute Nachricht und eine schlechte. Die Gute zuerst: Vorgestern bekam ich die Schlüssel zur neuen Wohnung. Jetzt die Schlechte: Gestern hab ich sie verloren. Und weil das Leben so herrlich aufregend ist: Die kleinen Racker waren im Spalt zwischen Fahrersitz und – keine Ahnung, wie dieses Teil bei meinem Auto heißt, deswegen vermute ich jetzt einfach mal: Rost, äh, nein, dem Schweller. Mit einem dicken „oder so“ und „wie auch immer“ dahinter. Da steckten sie also, zusammen mit einem 10 Cent, einem 5 Cent und einem 50 Cent Stück (warum keine Scheine?), zwei bröseligen Chips (die aber noch gut waren), einem Kaugummipapier und einer Mückenleiche sowie diversen Krümeln, Haaren und ein bißchen Schimmel. Wird Zeit, dass ich den Wagen wieder verkaufe.
Auf die Schlüssel werde ich jetzt besser aufpassen. Schließlich ist Berlin ein bisschen größer (und wohl auch dreckiger) als dieser Spalt in meinem Auto und dort will ich unter gar keinen Umständen meine Schlüssel suchen müssen. Egal: In ein paar Tagen (7) gehts echt und wirklich und endlich und überhaupt los, raus aus dem Saarland und rein in die große (Welt) Stadt. Mit der Wohnung hatten Juli und ich wirklich Glück: Sie ist ein echtes, sozialistisches Schmuckstück aus vergangenen Zeiten, in einem Stalinbau Ecke Karl-Marx-Allee und Warschauer Straße… (Fortsetzung folgt)

Ich freue mich schon auf mein neues Arbeitszimmer.
Ist das zu fassen?! Ich hab’ mich gerade vor Schreck an meinem Zitronentee verschluckt. Und warum? Wegen dem da: „Mann: 1. erwachsener Mensch männlichen Geschlechts 2. völlig behaarter Riese, der im Wald lebt.“ Gefunden auf einer namhaften Bildungswebsite mit Wörterbuch. Wie bitte? DA KANN DOCH WAS NICHT STIMMEN! Erwachsener Mensch?! Seit wann denn das?
Vielleicht sollte man die Mädels dort mal auf den Fehler in ihrem System aufmerksam machen. Die könnten sich ruhig ein bissel mehr an Wikipedia orientieren. Schließlich heißt es da: „Die Menschheitsgeschichte war und ist [...] heute noch durch die Dominanz des Mannes in politischer, intrafamiliärer und gesamtgesellschaftlicher Hinsicht geprägt.“ Genau! Uga, Uga! Und dazu brauch’ ich nicht erwachsen zu sein, geschweige denn zu werden. Wo bliebe denn da die ganze Gaudi? Ich darf zwei bedeutende Brüder im Geiste zitieren: Johann Strauß mit „Wein, Weib und Gesang“ (1869) sowie Ian Dury und „Sex, Drugs and Rock’n Roll“ (1977). So hat eben jeder Kerl sein Ding (ich meine jetzt im übertragenen Sinn), seine Gründe, nicht erwachsen zu werden. Meine sinnfreie Aufzählung könnte lauten: „Pepsi, Pizza, Porsche“ oder so. Und das Motto von meinem Kumpel Flo?! Keine Ahnung. Müsste ich ihn fragen. Aber es wird wahrscheinlich was mit Bikes zu tun haben. Womit mir endlich ‘ne Überleitung zu meinem eigentlichen Anliegen gelungen ist: Den Bildern unseres Shootings gestern.
Manchmal gibt’s im Leben eines Fotografen bedeutende Momente, wundervolle Augenblicke, in denen besondere Bilder entstehen. Voller stolz und Dankbarkeit kann ich behaupten, gestern ein paar der besten Fotos meines Lebens gemacht zu haben. Von meinem Kumpel Flo und seinem neuen, fertig restaurierten Bike. Damit möchte ich mich, weil so langsam die Zeit des Abschieds naht (wehe, du kommst mich nicht in Berlin besuchen!) für all die Jahre tiefer Freundschaft bedanken. Buddys auf Ewig, Hoch lebe der Beng!





Nachdem ich in den vergangenen Monaten nun mehr oder weniger freiwillig Papst, Weltmeisterin und sogar Nobelpreis war, möchte ich einen Kindheitstraum wahr machen (nicht meinen, aber irgend ein Kind wirds wohl gewesen sein) und Lokführer sein.
Zumindest solange, bis ich diesen Text hier geschrieben habe. Dann reichts auch wieder, weil mir keine vernünftigen Gründe einfallen, warum man diesen Job auf Dauer machen sollte. Für knapp 6 Euro pro Stunde und das 55 mal in der Woche den Assi auf Achse geben? Da sind sich selbst die Trucker mittlerweile zu Schade für.
Also gehört der gemeine Lokführer wohl bald zur aussterbenden Art und wird vermutlich in naher Zukunft durch Chinesen, Roboter oder gar beides ersetzt. Schließlich muss die Bahn weiter rationalisieren, um ihren Gewinn von 2,4 Milliarden Euro (2006, Quelle: GDL) auch im kommenden Jahr zu steigern und die nächste Gehaltserhöhung für den Vorstand zu sichern. Die Forderungen der Arbeitskräfte nach einer gerechteren Bezahlung beziehungsweise, Mehdorn bewahre, die Modernisierung des einen oder anderen fahrenden Schrotthaufens liegt da wohl so fern wie die Kopie des Transrapid in Peking schnell fährt, fliegt, gleitet oder transrapidiert. Wie auch immer und schade eigentlich.
Vom Zugfahren ist mir früher schlecht geworden. Und wenn ich jetzt so drüber nachdenke: Da hat sich nichts geändert.
Mein Video trägt übrigens den Titel „Transzendente Erfahrung am Bahnhof 08/15 in Verbindung mit der Uhr die mal vorwärts und mal rückwärts läuft sowie dem Bürger als Fahrgastschema bei Nacht und mit kritischem Blick auf das ganze System PS: Bush ist immer noch ein Idiot.“
Ich traue meinen Augen kaum und schaue noch mal hin. Da steht tatsächlich „Was Kinder stark macht.“ Für solche Slogans bin ich ja immer zu haben, vor allem wenn sie mir bei McDonalds oder im Gummibärchenland begegnen. Stichwort: Kind im Manne, Haribo macht Eltern froh usw… Aber jetzt bin ich in ‘ner Buchhandlung und über dem „Was Kinder stark macht“ grinst Boris Becker.
Ich halte das zunächst für eine Halluzination und greife danach. Man soll sich seinen Ängsten ja schließlich stellen. Dann die erschreckende Erkenntnis: Sieht aus wie ein Buch, fühlt sich an wie ein Buch und muss demnach auch eins sein. Aber von Boris Becker?! Seit wann kann der denn schreiben? Und wie zur Hölle kommt Boris Becker (!) auf die Idee, einen Erziehungsratgeber zu fabrizieren? Spontane Vermutung: Gott ist zynischer wie gedacht. Oder ich bin in „Verstehen Sie Spaß?“ gelandet. Gibt’s das eigentlich noch? Egal, ich setze vorsichtshalber mal ein verzerrtes Lächeln auf und suche die Kamera. Natürlich keine da. Deswegen beschließe ich, mir das Ganze mal näher anzusehen. Und beginne in „Was Kinder stark macht“ zu blättern…
Dort stehen lauter seltsame Sachen drin, so wie „Schlank ist schön, mager nicht“ oder „Zusammen Zähne putzen und in die Schule fahren“ bzw., Achtung, jetzt kommt’s, eine Anleitung zum „Hin und her hüpfen!“. Am besten gefielen mir die Kapitel „Meine Rolle als Vater“ und „Warum gerade ich?“. Letzteres werden sich die armen Kinder vermutlich auch schon oft gefragt haben. Erinnere ich mich richtig, dass Boris Becker ingesamt drei Stück von zwei verschiedenen Frauen hat, wobei eines beim Lutschen in ‘ner Besenkammer entstanden ist? Also: Ich finde das toll! Sowas muss man(n) erst mal hinbekommen! Klasse Familienplanung.
Und wie lesen wir doch so schön: „Das wichtigste Fundament ist die Familie“ und „Glück hat mit Geld wenig zu tun“. Genau. Dass Boris durch die Promotiontour für sein neues Buch wahrscheinlich noch weniger als vorher in seinen Zuhause (Mehrzahl?) und/oder Familien ist sowie NOCH mehr Geld mit irgendeinem Mist verdient, kehren wir jetzt einfach mal unter den billigen Einband. Zwei Dinge fallen allerdings gleich ins Auge: Auf den zahlreichen Fotos der glücklichen Beckerfamilie im Buch fehlen überall die Mütter und Boris hat fast immer das gleiche Shirt an.
Ob das sein einziges ist und ihn die Kinder arm gemacht haben? Ob er sich deswegen so ein Buch geleistet hat, über das – mit Abstand, mit ABSTAND – dümmste Thema, das einem zu Boris Becker einfallen kann? Warum nicht was über Sport? Über Tennis? Oder von mir aus auch über die ihm zu Ehren benannte Schneckenart „Bufonaria borisbeckeri“?
Fragen über Fragen, auf die Boris Becker bestimmt auch keine Antwort hat. Ich schüttelte den Kopf (kann mich da noch gut dran erinnern, denn dadurch fiel mir ein anderes Buch ins gereizte Auge) und erblicke direkt neben dem Beckerschen Werk die nächste Ungeheuerlichkeit: Mark Medlocks „Ehrlich“. Und das war dann zu viel für mich. Hallo, Migräne!

