You are currently browsing the monthly archive for Januar, 2008.

„Erzähl meine Geschichte!“ höre ich. Immer wieder: „Erzähl meine Geschichte!“ Mit jedem Mal wird die Stimme brüchiger, mit jedem Mal die Umarmung fester. Ich spüre Bartstoppeln an meiner rechten Wange, nicht meine eigenen, und sie kratzen. Ich spüre ein Zittern und die Konturen einer Flasche, die sich unter der Jacke von Ingo an meine Brust drückt. Eine Flasche mit Wodka, 40 % vol. und schon halb leer. Es ist die zweite an diesem Tag, aber das gehört schon zu Ingos Geschichte. „Erzähl sie allen!“ meint er. Mittlerweile schluchzt der schwere Mann in meiner Umarmung, hält mich aber immer noch wie festgeschraubt. Es ist eine Umarmung, die ich nicht lösen kann, obwohl sie mich erschüttert. Weil sie zu einer Geschichte gehört, deren Ende ich gerade vor mir sehe. Ingo ist fertig. Er war es eigentlich schon immer. Und jetzt möchte ich von ihm erzählen, seine Geschichte, die es viel zu oft gibt auf unseren Straßen, die so oder ähnlich immer wieder erzählt werden könnte.

Es ist die Geschichte eines Mannes namens Ingo und ich glaube, es ist auch immer noch die eines kleinen Jungen. Ingo ist nie so richtig erwachsen geworden. Er konnte es nicht, weil ihn der Junge von damals nicht in Ruhe lässt, weil er ihn immer noch Tag für Tag begleitet und an Früher erinnert, ihm Dinge ins Ohr schreit, die Ingo längst nicht mehr hören will, nicht mehr hören kann. Dinge von seinem Vater, „ein Bär von einem Mann, so breit, dass ich zweimal reinpassen würde“ und von den Schlägen, die seine Mutter, die beiden Schwestern und er kassierten: „Nicht mit der flachen Hand, nein, mit der Faust! Immer rein.“ Ingos Vater war Grubenarbeiter, Alkoholiker. Ingo erzählt, die Worte brechen aus ihm heraus: „Er kam heim, griff nach der Flasche und schlug zu.“ Abend für Abend. Kein Entkommen. Tagsüber will Ingo flüchten, sein Zuhause vergessen.

In der Schule wird er zum Kasper, der eigentlich nach Hilfe schreit. Einer, den anfangs alle lustig finden, weil er so laut und frech ist. Zu dem man aber nie eingeladen wird, der keine Ausflüge mitmachen kann und der Woche um Woche ein bisschen verschlossener, ein bisschen seltsamer wird. Schließlich verliert er auch die letzten Freunde und dann das bisschen Respekt vor sich selbst. Mit 12 fängt Ingo an, ab und zu mal einen Zug aus der Flasche zu nehmen. „Das war krass: Ich kam mir dann endlich groß und stark vor, fast so wie mein Vater. Wenn der was getrunken hat, haben alle auf ihn gehört, haben alle das getan, was er wollte“, erinnert sich der 43-jährige. Ein Jahr lang trinkt sich Ingo Mut an. Dann stellt er sich dem Vater eines Abends in den Weg. An dieser Stelle seiner Geschichte sieht mich Ingo direkt an, aber trotzdem ist er Jahre weit weg. In einer anderen Zeit, etwa 1978, an einem anderen Ort, nämlich in der kleinen Wohnung seiner Jugend. Wieder steht er vor dem Vater, dem Riesen, wieder sagt er die Worte, die er nicht vergessen kann, die ihn immer noch verfolgen, sie knallen aus ihm raus: „Wenn du noch einmal, noch einmal, einmal meine Mutter schlägst, dann bringe ich dich um.“ Seine Augen füllen sich mit Tränen, er blinzelt und kehrt ins Heute zurück, fragt mich: „Willst du wissen, was dann passiert ist?“ Widerwillig nicke ich, obwohl ich es mir denken kann.

Und Ingo sagt tatsächlich: „Dann schlug er noch mal zu, ein einziges Mal, das letzte Mal.“ Er greift sich in den Mund, löst seine Zähne, oben und unten, spuckt das Gebiss in die Handfläche und öffnet eine Höhle zum Rachen, mit drei, vier Stummeln. Plötzlich ist sein Gesicht eingefallen, um Jahre gealtert. Es passt jetzt nicht mehr auf den riesigen, kräftigen Körper, den eines Maurers „und Betonierers, vergiss das nicht, das ist mir wichtig!“ Genauso wichtig ist ihm, zu erklären, dass er „morgen zwischen zwei und halb drei“ seinen Führerschein wieder bekommt, „den großen, den für Lastwagen.“ Das fällt mir schwer zu glauben, schließlich hat Ingo keinen festen Wohnsitz, geht schon seit vier Jahren „auf Platte.“ Und er kann kaum mehr was sehen: „Das ist alles wegen dem verdammten Alkohol, glaubs mir, Digger, Alkohol ist schlimmer als Drogen. Alkohol ist das Schlimmste.“ Ingo stürmt jetzt durch seine Geschichte, hakt Kapitel um Kapitel ab, bei ihm vergehen die 12 Jahre Knast, Schwere Körperverletzung, wie im Fluge, auch die Zeit danach als Fahrer fliegt vorbei. Ingo erzählt und erzählt, die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus. Selten hört jemand zu, „du hast keine Freunde mehr auf der Straße, keine Freunde mehr!“ meint Ingo. Wieder stehen ihm die Tränen in den Augen: „Ich hatte noch nie einen Freund, einen echten. Willst du mein Freund sein?“

Ich bin sprachlos und Ingo rückt seine Flasche in der dicken Jacke zurecht. Die Kleider hat er neu bekommen, von der Mission: „Ich will nicht rumlaufen wie ein Penner, will ordentlich aussehen, will wieder jemand sein, will raus aus der Stadt. Die macht mich kaputt.“ Das weiß er schon lange und er hat auch schon versucht, auszubrechen. Von 1997 bis 2003 „war ich trocken, war ich clean, da war alles fast in Ordnung. Da hatte ich eine Freundin, aber, Junge, ich hab’s versaut. Ich versaue immer alles.“ Sagt das und wirft einen Zettel auf den nassen Asphalt. Den hat er in der Mission bekommen, gerade eben. Und darauf steht die Adresse einer Klinik, in der Ingo Entzug machen könnte. Aber er will nicht, schafft es nicht mehr. Wieder schimmern seine Augen feucht: „Mich holt alles wieder ein. Jeden Tag. Jede Nacht.“ Jetzt ist er am Ende, stolpert auf mich zu, umarmt mich, schluchzt und meint „Erzähl meine Geschichte!“ Immer wieder: „Erzähl meine Geschichte!“ Ich muss es ihm versprechen. Dann löst sich Ingo, dreht sich um und stolpert auf die Straße. Er „kann ich nicht in der Mission bleiben,“ weil er dann „ganz unten ist, ganz unten.“ Und das verkraftet Ingo nicht. Gleich darauf fällt ihm die Flasche Wodka auf den Asphalt. Sie zerbricht nicht…

Mehr im neuen bick Magazin, Berlin. Ausgabe 1 erscheint Mitte Februar.  

kaeltebus01sm.jpg

rosa05sm.jpg

Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 2008, bevor die Skins aufgetaucht sind (kleiner Scherz, die waren nicht da, aber sie hätten’s sein können und darüber sollte man eigentlich keine Witze machen, ich weiß).

Aber sogar der Organisator zeigte bei seiner Durchsage gegen Ende Sinn für Humor, oder? Schließlich plärrte er lauthals durch die Gegend: Keine Sorge wegen der zusätzlichen Polizeistaffel! Die wollen Euch nichts tun! Aber „wir kommen jetzt in den NAZIRELEVANTEN BEREICH“ (Biesdorf). Aha. Na, dann… Ich war übrigens nur zum Fotografieren da.

Das Sofa ist da! Ich könnte mich also jetzt theoretisch im Wohnzimmer hin lümmeln und diesen Text aus Sicht von Kramfors schreiben. Kramwas? Nun, so heißt unser Sofa. Kramfors ist eigentlich eine Stadt in Schweden (benannt nach Christoffer Kram, berühmt für ihr Tennisgymnasium und berüchtigt für die bankrotten Sägewerke), hätte aber auch übersetzt so viel wie „Schlag mich beim Aufbau zusammen und lauf danach vor Verzweiflung in der Stadt Amok“ heißen können. Oder so.

Ich Naivchen bin ja davon ausgegangen, dass dieses Sofa so geliefert wird, wie wir es uns im Laden angesehen haben. Und da sah es so aus, als ob man darin bequem sitzen könnte. Auf die 8 Kartons gestern war ich nicht wirklich vorbereitet. Als die Spediteure das Zeug zu uns in den dritten Stock geschleppt hatten, bekam ich auf die Frage, wo denn mein Sofa sei, folgende Antwort: „Det is in den Kisten und det müssense nur noch schnell zusammn booen, wa?“ Wobei ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob er tatsächlich „booen“ gesagt hat, weil ich kurz darauf in Ohnmacht gefallen bin.

Danach verbrachte ich drei Stunden damit, die Kartons auszupacken und die Anleitung zu suchen, gefolgt von den Teilen Nr 3 und 27 beziehungsweise meinen Nerven. Aber egal, ich hatte ja nichts anderes vor und meine eigentliche Arbeit konnte ruhig ein bisschen liegen bleiben, wa? Irgendwann war es dann soweit und Kramfors stand mehr oder wenig schmucke im Wohnzimmer. Ich war mächtig stolz. So ähnlich müssen sich die Typen vor ein paar Jahren irgendwo im Urwald gefühlt haben, als sie ihre Mission aufgebaut hatten und die ersten Heiden angerannt kamen. Tatsächlich klingelte es ein paar Augenblicke später an meiner Haustür und so ‘ne Frau wollte irgendwelche Zählerstände auslesen. Wenn das mal keine Parallelen sind!

Wie auch immer: Jetzt steht das Sofa nebenan und ich habe mich auch schon fast mit dieser seltsamen Farbe (Juli, du hast einen ganz besonderen Geschmack, mein Schatz, einen ganz, ganz besonderen!), dunkeltürkisblaugrauoderso, angefreundet. Das wirklich bemerkenswerte ist ja: Wenn ich links auf der Recamiere liege und aus den beiden Fenstern schaue, dann sehe ich die zwei Türme vom Frankfurter Tor. Und nicht nur das: den Nordturm im rechten, den Südturm im linken Fenster. Tolles Sofa! Ach ja, noch was: Nie mehr Ikea. Zumindest nicht nüchtern.

sofa01sm.jpg

Kramwas? 

sofa02sm.jpg

Teil Nr 27? 

sofa03sm.jpg

Hilfe!  

sofa04.jpg

Hier sah ich rot und ab dann weiss ich nichts mehr.

Nach einem Jahr harter Arbeit ist es endlich soweit: Die erste Version von LiveOnlineFor1000Years.com wurde gestern freigeschaltet und ist nun im Netz. Ein dickes Dankeschön an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben, besonders an Alex und Daniel von Karsch Media. Ohne Euch würde ich immer noch träumen, Jungs! Merci (oder wie der Pirmasenser sagt: Msi!) auch an Julia, die immer wieder Input gab und sich mit mir (ich war da manchmal ein bisschen schwierig) sowie einem Teil der englischen Übersetzung herumgeschlagen hat. LiveOnlineFor1000Years.com ist meinem verstorbenen Großvater, Edmund Meiser, gewidmet. Schaut doch mal vorbei und macht ein bisschen Werbung für die Seite…

liveonline.jpg

Ewig leben im Internet – jetzt möglich!

Wieso sterben wir? Was kommt danach? Fragen, die sich bestimmt jeder schon mal gestellt hat. Nach dem Tod verblassen die Erinnerungen an einen Menschen, er gerät langsam in Vergessenheit. So verschwinden mit jeder neuen Generation unzählige Persönlichkeiten, Lebenswerke und Zeitzeugnisse.

Ab sofort ist ein kleines bisschen mehr Unsterblichkeit für jeden möglich! Jetzt kann man sich unter www.LiveOnlineFor1000Years.com verewigen. Hier sollen Persönlichkeiten Jahrzehnte, Jahrhunderte und vielleicht sogar Jahrtausende überleben – solange das Internet existiert! Die Mitglieder können auf der Plattform all das veröffentlichen, was ihnen wichtig ist, ihr Leben auszeichnet und sie zu etwas Besonderem macht. Das können Bilder und Videos oder Geschichten und Gedichte sein, Gedanken und Zeichnungen. Eben das, was man den Kindern, Enkeln, ja sogar der ganzen Menschheit hinterlassen möchte und was die Zeiten überdauern soll. So entsteht ein riesiger Datenspeicher mit unzähligen Profilen und Inhalten, ein Schatz an Persönlichkeiten und ihrem Wissen, der jedem Menschen frei zugänglich ist…

Live Forever on the Internet – Now!

Why do we have to die? What happens afterwards? These are questions everyone of us has thought about. Memories of beloved human beings fade after their deaths, they are slowly but surely forgotten. With each new generation countless personalities, life achievements and historical documents disappear.

As from now, it’s possible to reach a little bit of immortality for all of us. You can immortalize yourself on the internet at www.LiveOnlineFor1000Years.com. This website was designed to keep unique personalities alive for decades, centuries, or even millennia – as long as the internet exists. It provides a platform on which members can publish anything that is near and dear to their hearts, characterizes their lives and makes them special: pictures and video recordings, stories and poems, thoughts and drawings. Everything you want to pass on to your children, grand-children or even to the entire mankind, all the things you want to outlive our times. By doing so, you will help to create a gigantic data memory containing innumerable profiles and a virtually infinite content, a treasure trove filled with personalities and their knowledge that is accessible for every one of us and future generations.

dickefrau.jpg

Mal kurz Spaß beiseite: Bitte lesen und weiter erzählen. Oder lesen und bewerben… Diese Anzeige gilt unbefristet!

Anzeigenverkäufer/in – Mediaberater/in gesucht
bick Magazin, Berlin

bick ist neu in Berlin und streift durch die Bezirke, immer auf der Suche nach interessanten Leuten und besonderen Ereignissen. Das Magazin begleitet die Berliner ein Stückchen auf ihrem Weg durchs Leben und erfährt so die besten Geschichten über alles Mögliche, über Gott und die Welt. Dazu gibt es eine bunte Mischung aus Mode, Medien und Accessoires. bick erscheint alle zwei Monate. Es ist kostenlos und an vielen Stellen des öffentlichen Lebens erhältlich, die Firma Primeline übernimmt einen großen Part der Verteilung. Mehr Infos auf www.bick-magazin.de

Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt Anzeigenvertreter/innen bzw. Mediaberater/-innen.

Deine Aufgaben:

* Neukunden-Akquise und
* persönliche Betreuung sowie
* Entwicklung und Abstimmung von Werbemaßnahmen

Was wir wollen:

* Sicheres Auftreten und Kommunikationsstärke
* Verkaufs- und Marketingkenntnisse
* Erste Erfahrungen als Mediaberater/in
* Selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten
* Strukturierte und zielorientierte Arbeitsweise
* Hohe Eigenmotivation und Zuverlässigkeit

Wir bieten Dir eine freie Mitarbeit auf Provisionsbasis und durch unser kleines Team die Möglichkeit, gutes Geld zu verdienen. Interessiert? Dann schicke uns bitte Deine Bewerbungsunterlagen, vorzugsweise per e-Mail an redaktion@bick-magazin.de – Wenn Du Fragen hast, sind wir natürlich auch telefonisch für Dich da: 030.29772389.

bick500.jpg

bick Magazin | www.bick-magazin.de
Jan-Erik Nord, Diplom Designer
Warschauer Straße 85
10243 Berlin

Endlich wieder Internet in den eigenen vier beziehungsweise 20 Wänden! Und frische e-Mails im Postfach: 392 Stück, was ein kleines bisschen über meinem Durchschnitt liegt. Patricia hat geschrieben. Sie ist im Augenblick allein zuhause und hat eine „ganz besondere Überraschung“ für mich, „wenn du verstehst, was ich meine“ (Nee!). Es gibt auch was Neues von Abichayil aus Aichtal, die sich wie verrückt auf ihr brutales Movie freut (Welches denn?). Und dann ist da Hillary mit „Fabulous Discounts Wide Choices Generic Drugs“. Hm: Das klingt doch verdächtig nach außerirdischer Propaganda, oder?! Hab ich da vielleicht irgendwas verpasst?

Die 389 anderen Mails sind ähnlich verwirrend. Wie konnte ich bloß vier Wochen ohne Internetzugang existieren, ohne Input? Wo das Web doch mittlerweile zum digitalen Grundnahrungsmittel Nummer Eins geworden ist… Eine e-Mail sticht mir besonders ins Auge. Die 1&2 Internet AG (oder so ähnlich) fragt: „Zufrieden mit unserem Support?“ Nun, mal überlegen. Der Dienstleister hat seinen Dienst mit 16 Tagen Verspätung geleistet. Soll ich dafür jetzt Beifall klatschen? Dazu kommt noch die automatische Servicehotline mit der Intelligenz einer Küchenwaage. Ich erinnere mich noch gut an einen besonders interessanten Dialog, so als wär’s gestern gewesen. Oder vor 2 Tagen, vor 7 und 15…

[...] Möchten Sie mit einem unserer Mitarbeiter verbunden werden? Sagen Sie jetzt: Ja oder Nein.
„Ja.“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„Ja.“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„Jaa.“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„JA!“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„*§$%R!“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„JAAAAAAAARGH!“

Ich konnte Sie leider nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie die Antwort.
„Nein.“

Vielen Dank für das Gespräch. Auf Wiederhören.

Bitte. Gern geschehen (oder etwa nicht?). Gleich danach wollte ich mir beim Checker um die Ecke eine Knarre besorgen und diesem verdammten Telefonroboter die Schaltkreise raus blasen. Das hab ich dann doch nicht gemacht, weil mir eine Schüssel Kornflakes dazwischenkam und ich anschließend zu faul war. Aber trotzdem: Wer hat bloß diese Hotlines verbrochen? Und: Hab ich vielleicht einen Sprachfehler?

Wahrscheinlich versteht mich hier deswegen niemand, wenn ich „bitte keine Zwiebeln“ auf dem Döner/Burger/Donut haben möchte…

wurscht2.jpg

Hallo, Hotline!

„Viel Glück im neuen Jahr!“ kann man heutzutage fast nicht mehr wünschen, finde ich. Zumindest dann, wenn man in der Silvesternacht heil nach Hause kommen will. Da braucht man alles Glück selbst. Eigentlich waren’s nur knappe 2 Kilometer, sozusagen ein Hundesprung (hab noch keine Katze in Berlin gesehen, aber Hunde gibt’s am laufenden Band!), von Kreuzberg nach Friedrichshain. Und wir hatten sogar das Auto dabei, aber leider nur meinen kleinen Peugeot und keinen verdammtem Humvee. Der hätte wohl besser gepasst, bei den ganzen schwer bewaffneten Irren auf den Straßen.

Mal ein Böllerchen werfen, okay. Mal ein Raketchen flitzen lassen, auch noch in Ordnung. Aber gleich den verdammten Guerillakrieg in Bolivien (oder so) nachzustellen, das geht zu weit! Wenn ganze Straßenzüge Kracher-Pingpong spielen und sich gegenseitig Raketen in die Fassaden knallen, wenn irgendwelche Halbwüchsigen Böller gegen fahrende Autos fetzen und sich zwischendurch zur Abwechslung über die Straße prügeln, wenn dann vorm eigenen Zuhause plötzlich drei Mannschaftswagen der Polizei auftauchen und ein Rudel Punks aufmischen, dann finde ich das nur noch grenzwertig cool. Das mit den Punks hatte was.

Sonst war Silvester im Grunde ganz lustig. Wir haben bei irgendwelchen seltsamen Leuten gefeiert und ich konnte viel lernen. Bestimmt hat sich Jane Goodall bei ihren Studien ähnlich gefühlt. Nun weiß ich zum Beispiel, dass rote Strumpfhosen nicht zu grünen, geblümten Kleidern passen (Überraschung!), ich kenne das usbekische Gericht Plov (lecker!) und habe zum wohl hundertsten Mal den bösen Drogen widerstanden (Dafür kommt ihr bestimmt in die Hölle, ihr Kiffer!). Um 0:02 (meine Uhr ging wohl wieder falsch) haben wir dann alle mit Bionade angestoßen (kleiner Scherz) und die Vorsätze für’s neue Jahr gefasst: Ich will zum Beispiel den verschiedenen Reklamations-Hotlines bei Ikea und Co. Dampf machen (von wegen „Sie werden automatisch an den nächsten freien Mitarbeiter verbunden“ und „TÜT-TÜT-TÜT“!), außerdem möchte ich wieder Boxen und vielleicht in zwei, drei Jahren Nachwuchs mit Julia. Wenn wir reich sind und die Weltherrschaft an uns gerissen haben (kleiner Scherz Nummer 2).

Wie auch immer: Danke, Stupsi, für das schöne Jahr mit dir und natürlich an alle Leser da draußen ein beherztes „Viel Glück in 2008!“ (kommt heil nach Hause!).

tuer2.jpg

Unsere extravagante Türdekoration am Neujahrsmorgen.