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Eigentlich hört sich das doch ganz nett an: Zörbig ist eine kleine Stadt im Süden von Sachsen-Anhalt zwischen Bitterfeld-Wolfen und der Kreisstadt Köthen. Sie entstand im Altmoränengebiet der Norddeutschen Tiefebene und ihre Geschichte reicht viele Jahrhunderte in die Vergangenheit zurück. Damals wurde die Gegend von slawischen Stämmen besiedelt und im Laufe der Zeit muss irgendwas Schlimmes passiert sein. Anders lässt sich dieser bildgewordene Alptraum, den ich gestern als Großflächenwerbung in Mitte gesehen habe, nicht erklären:

Was will uns diese Werbung einer Edelkonfitürenmarke (die in der DDR übrigens ein Rübensiruphersteller war) sagen, welche Emotionen möchte sie beim Betrachter und Konsumenten wecken? Meine waren klar: Ich hätte jetzt gerne „namenloses Entsetzen“ geschrieben, aber das Entsetzen hat ab jetzt einen Namen: Zörbiger. Und meine Theorie dazu: Iss ein bisschen was von dieser Marmelade und irgendwelche mutierten Erdbeeren fressen dich von innen auf. Oder du verwandelst dich in einen verdammten Zombie. Auf jeden Fall wird man von dem Zeug komplett gaga. Ich will sowas nie wieder sehen, geschweige denn angreifen oder, Gott bewahre, essen. Man könnte also sagen: Diese Werbung wurde ein bisschen unglücklich umgesetzt. Was auch andere erkannt haben…

Furchtbar, oder? Wobei ich jetzt nicht entscheiden könnte, welches Motiv mir besser gefällt bzw. mehr Bauchschmerzen bereitet. Den kleinen, unschuldigen Kindern, die auf dem Weg zum Spielplatz oder der Schule daran vorbeilaufen müssen, wirds egal sein: Sie fangen bei beiden an zu weinen. Vielleicht hilft da nur eines: Augen zu und durch.

Mal Urlaub in Zörbig machen? Vergiss es.

Mein Lieblingsmotiv: Der Zörbiger Zombie.


Ich bin schwermütig und sinne gerade ein wenig über die Vergangenheit nach… Damals, vor knapp einem Jahr, brannte die Josefskirche im saarländischen St. Ingbert und mir ist beim Fotografieren beinahe eine Schindel auf den Deez (Kopf) gefallen. Das waren noch Zeiten! Als der Rauch des brennenden Dachstuhls in der Lunge und die glühende Asche auf der Haut brannte, da war man wirklich mittendrin statt nur dabei, konnte mehr oder weniger in Ruhe seine Arbeit machen. Und heute respektive vorgestern, als die Berliner Philharmonie ein bisschen brannte?
Das hätte ich mir auch auf n-tv ansehen können und dann zuhause bestimmt die gleiche Hitze des Augenblicks verspürt wie einen Straßenzug weiter hinter der Absperrung, die speziell für die Presse von Polizei und Feuerwehr errichtet worden war. „Meine Damen und Herren: Bitte verlassen Sie aus eigenem Interesse wegen der starken Rauchentwicklung den Schauplatz!“ meinte eine Durchsage, die mehrmals wiederholt wurde. Gleichzeitig waren Ortsbegehungen im Angebot, Katastrophenführungen fast direkt hinein in die nicht unmittelbare Umgebung des Brandes, das alles für meine werten, überaus kritischen und sehr engagierten Kollegen aus sämtlichen Medienbranchen. Von der Produktionsassistentin über Stativträger bis hin zu den verschiedensten Moderatoren, wobei einige Fotografen und Kameraleute leider hinter der Absperrung bleiben mussten, weil „sonst die Gruppe zu groß“ geworden wäre. Ich hatte das Glück, im Tross der „Meine Damen und Herren, bitte folgen Sie mir hierüber!“ Menge mitlaufen und fotografieren zu dürfen. Eigentlich wollte ich ja experimentelle Fotos von urbaner Architektur machen und war deswegen mit meiner analogen Kamera samt Spezialfilm unterwegs. Aber der Brand bot eine, wie sagte doch dort jemand, „willkommene Abwechslung im Tagesgeschäft“.
Die Pressekonferenz fand nahezu zeitgleich im selben Gebäudekomplex statt. Ich habe sie nicht besucht, obwohl es bestimmt was zu trinken und ein paar Häppchen gegeben hätte. Nein: Ich harrte tapfer im herben Dunst brennender Wärmedämmung und kollegialen Schweißes mit einem sichtlich erregten Fotografen aus („Hab meine lange Optik nicht dabei! Ausgerechnet heute!“) und wartete darauf, dass der Turm einstürzen würde, wie damals bei der Josefskirche. Was aber nicht passiert ist. Im Grunde also viel Rauch um Nichts. Vielleicht war der Eintritt deswegen umsonst… aber das Ganze hatte auch was Gutes: Ich hab’s nicht (um ein Haar) mit meinem Leben bezahlt.





