Ich bin schwermütig und sinne gerade ein wenig über die Vergangenheit nach… Damals, vor knapp einem Jahr, brannte die Josefskirche im saarländischen St. Ingbert und mir ist beim Fotografieren beinahe eine Schindel auf den Deez (Kopf) gefallen. Das waren noch Zeiten! Als der Rauch des brennenden Dachstuhls in der Lunge und die glühende Asche auf der Haut brannte, da war man wirklich mittendrin statt nur dabei, konnte mehr oder weniger in Ruhe seine Arbeit machen. Und heute respektive vorgestern, als die Berliner Philharmonie ein bisschen brannte?

Das hätte ich mir auch auf n-tv ansehen können und dann zuhause bestimmt die gleiche Hitze des Augenblicks verspürt wie einen Straßenzug weiter hinter der Absperrung, die speziell für die Presse von Polizei und Feuerwehr errichtet worden war. „Meine Damen und Herren: Bitte verlassen Sie aus eigenem Interesse wegen der starken Rauchentwicklung den Schauplatz!“ meinte eine Durchsage, die mehrmals wiederholt wurde. Gleichzeitig waren Ortsbegehungen im Angebot, Katastrophenführungen fast direkt hinein in die nicht unmittelbare Umgebung des Brandes, das alles für meine werten, überaus kritischen und sehr engagierten Kollegen aus sämtlichen Medienbranchen. Von der Produktionsassistentin über Stativträger bis hin zu den verschiedensten Moderatoren, wobei einige Fotografen und Kameraleute leider hinter der Absperrung bleiben mussten, weil „sonst die Gruppe zu groß“ geworden wäre. Ich hatte das Glück, im Tross der „Meine Damen und Herren, bitte folgen Sie mir hierüber!“ Menge mitlaufen und fotografieren zu dürfen. Eigentlich wollte ich ja experimentelle Fotos von urbaner Architektur machen und war deswegen mit meiner analogen Kamera samt Spezialfilm unterwegs. Aber der Brand bot eine, wie sagte doch dort jemand, „willkommene Abwechslung im Tagesgeschäft“.

Die Pressekonferenz fand nahezu zeitgleich im selben Gebäudekomplex statt. Ich habe sie nicht besucht, obwohl es bestimmt was zu trinken und ein paar Häppchen gegeben hätte. Nein: Ich harrte tapfer im herben Dunst brennender Wärmedämmung und kollegialen Schweißes mit einem sichtlich erregten Fotografen aus („Hab meine lange Optik nicht dabei! Ausgerechnet heute!“) und wartete darauf, dass der Turm einstürzen würde, wie damals bei der Josefskirche. Was aber nicht passiert ist. Im Grunde also viel Rauch um Nichts. Vielleicht war der Eintritt deswegen umsonst… aber das Ganze hatte auch was Gutes: Ich hab’s nicht (um ein Haar) mit meinem Leben bezahlt.