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„Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Meint ein altes Sprichwort. Ich sage: Weder noch! Tauben kann ich nicht leiden und Spatzen sind mir auch suspekt. Zumindest die in Berlin. Seit gestern. Meine Güte, ich wollte doch nur ein Eis essen und nicht gleich das verdammte Remake von Hitchcocks „Die Vögel“ am eigenen Körper erleben…
Mein Eis: Apfelkuchen (ja, das gibt es tatsächlich!) und Schlumpf (schmeckt ein bisschen wässrig) in einer knusprigen, angeblich selbstgemachten Waffel. Mit Sahne und vorneweg 666 hungrigen Spatzen, die alle um mich herum am Boden, auf der Bank oder im Gebüsch lauerten und ganz scharf drauf waren, was Essbares abzubekommen. Und das in Kreuzberg, also nicht im Osten. Sonst hätte man ja sagen können: Olle Kamellen. Übrigens: Früher ernährten sich Spatzen von Insekten und Körnern, die sie in Wald und Wiesen fanden. Mittlerweile sind die Viecher aber zu faul geworden, um sich Wald und Wiesen zu suchen (geschweige denn Insekten und Körner), sodass sie sich auf Menschenfutter spezialisiert haben.
Aber zurück: Die kleinen Biester (die Vögel, nicht die Ossis!) umzingelten mich und hungerten dabei ganz seltsam vor sich hin, übergewichtig, beschämt und aggressiv zugleich, so schien es mir jedenfalls. 664 Spatzen hatten die selbe Form (und Farbe) wie alte Tennisbälle, und bei den beiden übrigen bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt Spatzen waren… Wie auch immer: Ich wollte mein Eis eigentlich nicht teilen. Schon gar nicht mit diesen gruseligen Viechern. Ihr stiller, kollektiver Vorwurf brachte mich schließlich dazu, einen großen Teil meiner Waffel (und meiner Würde) zu opfern. Was soll ich sagen: Die Waffel war schneller weg, als ich „BIN GUT ZU VÖGELN“ (hihi) sagen konnte. Meine Güte, war das plötzlich ein Durcheinander, vor mir explodierte sozusagen innerhalb von Sekundenbruchteilen ein ganzer Federball.
Und damit war’s noch lange nicht vorbei! Die kleinen Racker hatten Blut geleckt bzw. Keks gecrackt (ist ein schlechter Reim, aber hey, es ist Sonntagmorgen und ich hab seit Ewigkeiten mal wieder Zeit für diesen Blog, okay?!)… und nun stand die Gier in ihren kleinen, starren Äuglein. Sie wollten mehr von meiner Waffel, wollten mehr von meinem Eis, wollten mich mit Haut und Haaren. Zumindest interpretiere ich das so, denn warum sonst hätten sie mich anpicken sollen?! Das war der Moment, in dem ich meine Beine in die Hand nahm und zur nächsten U-Bahn-Station flüchtete. Seitdem wage ich mich nur noch nachts auf die Straße. Oder wandele im Untergrund. Ein weiteres Sprichwort: „Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Nun: Vielleicht doch. Mittlerweile schon.

War früher mal ein Tennisball.
